Die Hinrichtung der 16
Karmelitinnen wird in der Briefnovelle von Gertrud von le Fort nur indirekt geschildert, ihr Verlauf
zeigt sich nur am Verstummen der Stimmen. Blanche de la Force darf das Schafott
nicht besteigen, sie darf nicht das demonstrativ erhöhte Martyrium erleiden,
sondern wird einfach totgeschlagen wie ein lästiges Ungeziefer, findet den
namenlosen Tod des Zertretenwerdens, einen scheinbar sinnlosen Tod, der sie mit
unzähligen Opfern verbindet. Sie steht
außerhalb des offiziellen Programms selbst der pervertierten Justiz. Die Letzte
am Schafott erreicht die Todesmaschine nicht. Aber die Letzten werden die
Ersten sein. Dieser Tod kann nur mit der Verheißung aus le Forts Erzählung „Das
fremde Kind“ gedeutet werden: „Aber es wird auch dann noch Gnade geben.“ Das
ist die eigentliche Botschaft des Werkes, die in der Oper von Poulenc keine
Rolle spielt. Sie erzählt eine andere, eine heroische Geschichte.
Dienstag, 17. September 2013
Mittwoch, 21. August 2013
Unsicherheiten
„Rutscht die
Treppe auch nicht aus?“ fragte Blanche, wenn man sie auf den festen Turm von Château
la Force, dem Stammsitz ihres Geschlechtes, führte… „Fällt die Wand auch nicht
um? Geht die Gondel auch nicht unter? Werden die Menschen auch nicht böse?“
Gertrud von le Fort, Die Letzte am Schafott.
Stürzt der Flieger
auch nicht ab? Stoßen die Züge auch nicht zusammen? Breitet sich die Krankheit
auch nicht aus?
Heutiges Lebensgefühl….
Freitag, 16. August 2013
Renate Krüger: Des Königs Muskant. Erzählung um Carl Philipp Emanuel Bach
Das Buch wurde Anfang der 80er Jahre im damaligen Berliner Kinderbuchverlag
entwickelt, um jüngere Leser mit den Werken von Kunst und Kultur vertraut zu
machen. Wenn der Name Bach genannt wird, denkt man vor allem an den großen
Johann Sebastian und nicht an seinen wohl berühmtesten Sohn Carl Philipp
Emanuel, den Kapellbedienten des preußischen Königs Friedrichs II., um den die
Erzählungen dieses Buches kreisen. Er ist einer der Vertreter des sogenannten
Zeitalters der Empfindsamkeit, der neuen bürgerlichen Gefühlsbetontheit. Sein
Abschied vom höfischen Berlin und sein Neubeginn im bürgerlichen Hamburg dürfte
von den Lesern in der DDR mit besonderer Aufmerksamkeit wahrgenommen worden
sein…
Es geht um Glanz und Glamour, um Intrigen und Spionage, wobei auch fiktive
Elemente eine Rolle spielen. Bekannte Persönlichkeiten treten auf: der
Preußenkönig und sein Bruder Heinrich, Voltaire und Lessing, und all das fließt
aus der Feder des fiktiven Erzählers und Archivars François de La Chevallerie.
Das Buch ist im Verlag EDITION digital erschienen und über die einschlägigen
Ebook Shops zu beziehen.
Das Buch ist im Verlag EDITION digital erschienen und über die einschlägigen
Ebook Shops zu beziehen.
Montag, 12. August 2013
Adolph Menzel - Flötenkonzert König Friedrichs II.
Die Darstellung eines
Flötenkonzertes, mit dem der preußische König Friedrich II. sich vor seiner
engsten Umgebung präsentiert, zählt zu den schönsten und bekanntesten Gemälden
des Malers Adolph Menzel (1815-1905). Ort der Handlung ist ein Salon des Schlosses
Sanssouci in Potsdam. Im Mittelpunkt steht der König und lässt sein Solo au der
Querflöte hören. Er wird von einem kleinen Kammerorchester begleitet: vier
Streichinstrumente und Cembalo, an dem kein Geringerer als Carl Philipp Emanuel
Bach sitzt, der Sohn des großen Johann Sebastian. Es ist zu vermuten, dass er
die Musik komponiert hat, die da erklingt und auch im Bilde hörbar wird. Meisterhaft
ist die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts wiedergegeben: Lichteffekte, Spitzen
und Rüschen, die wie aus Schaum gemalt wirken, eine nur spärlich angedeutete,
aber reiche Raumausstattung.
Menzel malte das Bild in den
Jahren von 1850 bis 1852, also etwa 100 Jahre nach der Zeit, in der dieses
Ereignis stattgefunden haben könnte. Es handelt sich nicht um eine Rückkehr in
die Vergangenheit, sondern um ihre lebendige Vergegenwärtigung, einfühlsam,
aber nicht verklärend.
Das Bild steht – literarisch
verfremdet – im Mittelpunkt meiner Menzel-Erzählung „Geisterstunde in
Sanssouci“, die als Ebook im Verlag EDITION-digital veröffentlicht worden ist.
Renate Krüger
Donnerstag, 8. August 2013
Geduld - stärkste Waffe des Menschen
Geduld ist
eine Form von Tapferkeit, ihre stille passive Seite. Geduld ist die stärkste
Waffe des Menschen. Geduld glaubt an den Sinn, auch wenn der Erfolg ausbleibt.
Geduld macht das Leben schön, weil sie den Menschen davor bewahrt, in den
Augenblickseindrücken unterzugehen. Ein geduldiger Mensch ist wendig und stetig
zugleich. Er lässt sich von seinen Stimmungen nicht täuschen, weder von den
euphorischen, noch von den melancholischen. Geduld erfordert mehr Aktivität als
zorniges Dreinschlagen. Geduld ist ein Mutterboden, auf dem alles organisch
wachsen kann, alles zu seiner Zeit.
Renate Krüger
Sonntag, 30. Juni 2013
Licht auf dunklem Grund. Ein Rembrandt-Roman
Im
Jahre 1964 wandte ich mich an den Leipziger Prisma-Verlag mit einem
Romanmanuskript über den mecklenburgischen Hofbildhauer Rudolf Kaplunger (1746
- 1795). Er war gewissermaßen der „Überlebende“ aus einer gescheiterten
Dissertation über die Ludwigsluster Hofkunst und der Roman das Ergebnis meiner „Trauerarbeit“.
Der
Verleger Klaus Zenner quittierte mein Angebot mit der Frage, wer sich wohl für einen unbekannten
Ludwigsluster Hofbildhauer interessieren werde; wenn ich schon einen Roman
schreiben wolle, dann doch besser über Rembrandt, den kenne schließlich
jeder... Ich glaubte diesen Vorschlag nicht ernst nehmen zu können, und
vielleicht war er ja auch nicht ernst gemeint... Ich schrieb also zurück, dass
es schon viele Rembrandt-Romane gäbe, wozu noch einen weiteren produzieren?
Dennoch
- die Idee hatte sich in meinem Bewusstsein festgesetzt und begann zu rumoren
und zu arbeiten, ihr Volumen teilte sich immer wieder und erfüllte meine
inneren Räume.
Samstag, 8. Juni 2013
Adolph Menzel, Das Balkonzimmer
Adolph Menzel 1815-1905
Das Balkonzimmer. Öl auf
Pappe, 22,8 x 18,5
Der Blick des Betrachters
wird in eine Zimmerecke geführt. Alle Gegenstände der Ausstattung sind
perspektivisch abgeordnet, einige werden in Gänze gezeigt, andere angeschnitten
oder gespiegelt. Dadurch ergeben sich Bewegung und Lebendigkeit. Obgleich der Raum
menschenleer ist, erscheint er doch von einem dichten Geschehen erfüllt. Der
Betrachter ist versucht, eine dramatische oder geheimnisvolle Geschichte hinter
diesem stillen Bild zu vermuten. Da ist die undurchsichtige Gardine, die vom Luftzug, der durch die geöffnete
Balkontür eindringt, leicht bewegt wird. Da sind die Stühle, die mit kleinem
Abstand Rücken an Rücken stehen. Haben darauf Menschen gesessen, die sich
nichts zu sagen hatten? weiterlesen...
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