Die Hinrichtung der 16
Karmelitinnen wird in der Briefnovelle von Gertrud von le Fort nur indirekt geschildert, ihr Verlauf
zeigt sich nur am Verstummen der Stimmen. Blanche de la Force darf das Schafott
nicht besteigen, sie darf nicht das demonstrativ erhöhte Martyrium erleiden,
sondern wird einfach totgeschlagen wie ein lästiges Ungeziefer, findet den
namenlosen Tod des Zertretenwerdens, einen scheinbar sinnlosen Tod, der sie mit
unzähligen Opfern verbindet. Sie steht
außerhalb des offiziellen Programms selbst der pervertierten Justiz. Die Letzte
am Schafott erreicht die Todesmaschine nicht. Aber die Letzten werden die
Ersten sein. Dieser Tod kann nur mit der Verheißung aus le Forts Erzählung „Das
fremde Kind“ gedeutet werden: „Aber es wird auch dann noch Gnade geben.“ Das
ist die eigentliche Botschaft des Werkes, die in der Oper von Poulenc keine
Rolle spielt. Sie erzählt eine andere, eine heroische Geschichte.
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