Dienstag, 17. September 2013

Die Letzte am Schafott

Die Hinrichtung der 16 Karmelitinnen wird in der Briefnovelle von Gertrud von le Fort nur indirekt geschildert, ihr Verlauf zeigt sich nur am Verstummen der Stimmen. Blanche de la Force darf das Schafott nicht besteigen, sie darf nicht das demonstrativ erhöhte Martyrium erleiden, sondern wird einfach totgeschlagen wie ein lästiges Ungeziefer, findet den namenlosen Tod des Zertretenwerdens, einen scheinbar sinnlosen Tod, der sie mit unzähligen Opfern verbindet.  Sie steht außerhalb des offiziellen Programms selbst der pervertierten Justiz. Die Letzte am Schafott erreicht die Todesmaschine nicht. Aber die Letzten werden die Ersten sein. Dieser Tod kann nur mit der Verheißung aus le Forts Erzählung „Das fremde Kind“ gedeutet werden: „Aber es wird auch dann noch Gnade geben.“ Das ist die eigentliche Botschaft des Werkes, die in der Oper von Poulenc keine Rolle spielt. Sie erzählt eine andere, eine heroische  Geschichte.

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