Sonntag, 30. Juni 2013

Licht auf dunklem Grund. Ein Rembrandt-Roman


Im Jahre 1964 wandte ich mich an den Leipziger Prisma-Verlag mit einem Romanmanuskript über den mecklenburgischen Hofbildhauer Rudolf Kaplunger (1746 - 1795). Er war gewissermaßen der „Überlebende“ aus einer gescheiterten Dissertation über die Ludwigsluster Hofkunst und der Roman das Ergebnis meiner „Trauerarbeit“.

Der Verleger Klaus Zenner quittierte mein Angebot mit der Frage,  wer sich wohl für einen unbekannten Ludwigsluster Hofbildhauer interessieren werde; wenn ich schon einen Roman schreiben wolle, dann doch besser über Rembrandt, den kenne schließlich jeder... Ich glaubte diesen Vorschlag nicht ernst nehmen zu können, und vielleicht war er ja auch nicht ernst gemeint... Ich schrieb also zurück, dass es schon viele Rembrandt-Romane gäbe, wozu noch einen weiteren produzieren?

Dennoch - die Idee hatte sich in meinem Bewusstsein festgesetzt und begann zu rumoren und zu arbeiten, ihr Volumen teilte sich immer wieder und erfüllte meine inneren Räume.

Samstag, 8. Juni 2013

Adolph Menzel, Das Balkonzimmer





Adolph Menzel 1815-1905
Das Balkonzimmer. Öl auf Pappe, 22,8 x 18,5
Der Blick des Betrachters wird in eine Zimmerecke geführt. Alle Gegenstände der Ausstattung sind perspektivisch abgeordnet, einige werden in Gänze gezeigt, andere angeschnitten oder gespiegelt. Dadurch ergeben sich Bewegung und Lebendigkeit. Obgleich der Raum menschenleer ist, erscheint er doch von einem dichten Geschehen erfüllt. Der Betrachter ist versucht, eine dramatische oder geheimnisvolle Geschichte hinter diesem stillen Bild zu vermuten. Da ist die undurchsichtige Gardine,  die vom Luftzug, der durch die geöffnete Balkontür eindringt, leicht bewegt wird. Da sind die Stühle, die mit kleinem Abstand Rücken an Rücken stehen. Haben darauf Menschen gesessen, die sich nichts zu sagen hatten?  weiterlesen...