Johannes der Täufer zog
sich nach dem biblischen Bericht in die Einsamkeit der Wüste zurück, um mit
sich, der Welt und seiner Aufgabe, den Messias zu verkünden, ins Reine zu
kommen. Diese Situation schildert der altniederländische Maler Geertgen tot
Sint Jans (1465-1495). Er malt jedoch nicht die Wüste, sondern eine idyllische,
abwechslungsreiche Landschaft mit Bäumen und Sträuchern und dem Ausblick auf
ferne blaue Berge. Eine Umgebung, für die man heute den Ausdruck „Wohlfühllandschaft“
prägen würde. Aber trotz dieser angenehmen heiteren Atmosphäre strahlt Johannes
keine Wohlfühl-Atmosphäre aus, sondern Ernst und Nachdenklichkeit, ja, auch
Verlassenheit und Ratlosigkeit. Seine Gestalt verschwindet unter Obergewand,
Überwurf und ungeschorenem Haupthaar, die nackten Füße scheinen zu frieren.
Seine Umgebung nimmt er nicht wahr; er blickt nach innen und lässt sich auf
Konfrontation mit sich selbst ein. Ahnt er, was ihm bevorsteht? Nach kurzer
Zeit schon wird sein abgeschlagenes Haupt auf einer Schüssel einem perversen
Herrscher präsentiert…

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen