Mittwoch, 13. März 2013

Vorahnungen...


 
Johannes der Täufer zog sich nach dem biblischen Bericht in die Einsamkeit der Wüste zurück, um mit sich, der Welt und seiner Aufgabe, den Messias zu verkünden, ins Reine zu kommen. Diese Situation schildert der altniederländische Maler Geertgen tot Sint Jans (1465-1495). Er malt jedoch nicht die Wüste, sondern eine idyllische, abwechslungsreiche Landschaft mit Bäumen und Sträuchern und dem Ausblick auf ferne blaue Berge. Eine Umgebung, für die man heute den Ausdruck „Wohlfühllandschaft“ prägen würde. Aber trotz dieser angenehmen heiteren Atmosphäre strahlt Johannes keine Wohlfühl-Atmosphäre aus, sondern Ernst und Nachdenklichkeit, ja, auch Verlassenheit und Ratlosigkeit. Seine Gestalt verschwindet unter Obergewand, Überwurf und ungeschorenem Haupthaar, die nackten Füße scheinen zu frieren. Seine Umgebung nimmt er nicht wahr; er blickt nach innen und lässt sich auf Konfrontation mit sich selbst ein. Ahnt er, was ihm bevorsteht? Nach kurzer Zeit schon wird sein abgeschlagenes Haupt auf einer Schüssel einem perversen Herrscher präsentiert…

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