Leseprobe aus dem ersten Roman von Gertrud von le Fort
Die kleine Prinzessin hatte sich einen Stuhl ans Fenster gezogen und presste den Kopf gegen die kühlen Scheiben. Wie wunderschön war es doch, hier allein zu sein! Sie hatte das so selten. Horch! Wieder ein Wagen! Neugierig blickte die Prinzessin hinunter. So also sah man aus, wenn man als junges Mädchen zum Ball fuhr! In große Abendmäntel gehüllt stiegen eben zwei junge Damen in Begleitung einer älteren aus dem Wagen. Im Schein der hellen Lichter vor der Einfahrt des Schlosses konnte Prinzessin Christine ihre Gesichter deutlich erkennen. Die eine sah strahlend aus in froher Erwartung, die andere ein wenig aufgeregt, beinahe ängstlich.
Die kleine Prinzessin hatte sich einen Stuhl ans Fenster gezogen und presste den Kopf gegen die kühlen Scheiben. Wie wunderschön war es doch, hier allein zu sein! Sie hatte das so selten. Horch! Wieder ein Wagen! Neugierig blickte die Prinzessin hinunter. So also sah man aus, wenn man als junges Mädchen zum Ball fuhr! In große Abendmäntel gehüllt stiegen eben zwei junge Damen in Begleitung einer älteren aus dem Wagen. Im Schein der hellen Lichter vor der Einfahrt des Schlosses konnte Prinzessin Christine ihre Gesichter deutlich erkennen. Die eine sah strahlend aus in froher Erwartung, die andere ein wenig aufgeregt, beinahe ängstlich.
Eben kamen
von der anderen Seite mehrere junge Offiziere. Einer von ihnen sprach die
Ängstliche an, wahrscheinlich benutzte er das Zusammentreffen, sie gleich um
einen Tanz zu bitten. Sie nickte und lächelte – jetzt sah sie nicht mehr
ängstlich aus. Es musste doch ein eigener Reiz darinnen liegen, zum Tanze
aufgefordert zu werden. Prinzessin Christine seufzte. Sie durfte ja nur
befehlen – ach, immer nur befehlen!
Wie heiß es hier im Zimmer war! Die Prinzessin stieß das Fenster auf, ein hohes Fenster mit weiß- und goldgeränderter Fassung. Milde, müde Herbstluft strömte herein. Die alten Kastanien, welche den öden, dunklen Schlossplatz umsäumten, standen schwarz und schwer rauschend da. Es lag ein Duft von welken, modernden Blättern in der Luft. Von den Kaskaden gegenüber dem Schlosse rauschte und plätscherte es, und weiterhin schimmerten die Dächer der lächerlich niedrigen Häuser des Städtchens. Der Mond ging eben auf und warf einen feenhaften Silberglanz über das Bild der kleinen Sommerresidenz. Herrenburg! Wie sehr Prinzessin Christine das kleine Städtchen liebte und das große, stille, altmodische Schloss, in dem die herzogliche Familie jedes Jahr einige Wochen zubrachte. Herrenburg! Prinzessin Christine betrachtete es als ihre Heimat. Alle Erinnerungen, die sie liebte, knüpften sich an dieses Fleckchen Erde. Hier hatte sie die sonnigen Tage ihrer Kindheit verlebt, der goldenen, unbewussten, gedankenlosen Kindheit.
Im Jahre 1904 schrieb Gertrud von le Fort unter dem Pseudonym Gerta von Stark ihren ersten Roman mit dem Titel "Prinzessin Christelchen. Ein Hofroman". Trotz aller Defizite und Unbeholfenheit deutet sich eine große literarische Begabung an, die weit in die Zukunft weist. Die einfühlsame Illustration orientiert sich an einer fotografischen Sehweise.
Wie heiß es hier im Zimmer war! Die Prinzessin stieß das Fenster auf, ein hohes Fenster mit weiß- und goldgeränderter Fassung. Milde, müde Herbstluft strömte herein. Die alten Kastanien, welche den öden, dunklen Schlossplatz umsäumten, standen schwarz und schwer rauschend da. Es lag ein Duft von welken, modernden Blättern in der Luft. Von den Kaskaden gegenüber dem Schlosse rauschte und plätscherte es, und weiterhin schimmerten die Dächer der lächerlich niedrigen Häuser des Städtchens. Der Mond ging eben auf und warf einen feenhaften Silberglanz über das Bild der kleinen Sommerresidenz. Herrenburg! Wie sehr Prinzessin Christine das kleine Städtchen liebte und das große, stille, altmodische Schloss, in dem die herzogliche Familie jedes Jahr einige Wochen zubrachte. Herrenburg! Prinzessin Christine betrachtete es als ihre Heimat. Alle Erinnerungen, die sie liebte, knüpften sich an dieses Fleckchen Erde. Hier hatte sie die sonnigen Tage ihrer Kindheit verlebt, der goldenen, unbewussten, gedankenlosen Kindheit.
Im Jahre 1904 schrieb Gertrud von le Fort unter dem Pseudonym Gerta von Stark ihren ersten Roman mit dem Titel "Prinzessin Christelchen. Ein Hofroman". Trotz aller Defizite und Unbeholfenheit deutet sich eine große literarische Begabung an, die weit in die Zukunft weist. Die einfühlsame Illustration orientiert sich an einer fotografischen Sehweise.

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