Unvergeßlich sind mir die Weihnachtsabende unserer Koblenzer
Zeit – vielleicht, weil es die ersten waren, an denen ich innerlich teilnahm.
Meine Mutter spannte meine Schwester und mich in die Festvorbereitungen ein –
unser Christbaum wurde weithin mit dem Schmuck unserer eigenen kleinen Hände
ausgestattet. Während der ganzen Adventszeit sammelten wir Tannenzapfen, die
unsere Mutter uns vergolden lehrte, wir trugen Moos für die Krippe herbei und
übten uns im Ausschneiden von bunten Papierketten. Das Schönste aber waren die
rosa Seidenpapierrosen, die meine Mutter vor unseren Augen entstehen ließ, und
die das Eigenartige unseres Christbaums bedeuteten. Wir übten bei ihrem Anblick
das alte Lied: „Es ist ein Ros entsprungen.“ Was ich damals nur staunend
bewunderte, habe ich später selbst zu winden gelernt – nie hat es in meinem
Hause einen Christbaum gegeben, der nicht mit Rosen geschmückt war, und immer
wurde dann das Weihnachtsfest des Elternhauses noch einmal Gegenwart.
Gertrud von le Fort
Gertrud von le Fort


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