Samstag, 15. Dezember 2012

Weihnachtsvorbereitungen im Hause le Fort


Unvergeßlich sind mir die Weihnachtsabende unserer Koblenzer Zeit – vielleicht, weil es die ersten waren, an denen ich innerlich teilnahm. Meine Mutter spannte meine Schwester und mich in die Festvorbereitungen ein – unser Christbaum wurde weithin mit dem Schmuck unserer eigenen kleinen Hände ausgestattet. Während der ganzen Adventszeit sammelten wir Tannenzapfen, die unsere Mutter uns vergolden lehrte, wir trugen Moos für die Krippe herbei und übten uns im Ausschneiden von bunten Papierketten. Das Schönste aber waren die rosa Seidenpapierrosen, die meine Mutter vor unseren Augen entstehen ließ, und die das Eigenartige unseres Christbaums bedeuteten. Wir übten bei ihrem Anblick das alte Lied: „Es ist ein Ros entsprungen.“ Was ich damals nur staunend bewunderte, habe ich später selbst zu winden gelernt – nie hat es in meinem Hause einen Christbaum gegeben, der nicht mit Rosen geschmückt war, und immer wurde dann das Weihnachtsfest des Elternhauses noch einmal Gegenwart.

Gertrud von le Fort

 
Der Weihnachtsbaum im Hause le Fort. Nach einer Originalaufnahme aus den 60er Jahren
 

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