Mittwoch, 21. August 2013

Unsicherheiten

„Rutscht die Treppe auch nicht aus?“ fragte Blanche, wenn man sie auf den festen Turm von Château la Force, dem Stammsitz ihres Geschlechtes, führte… „Fällt die Wand auch nicht um? Geht die Gondel auch nicht unter? Werden die Menschen auch nicht böse?“

Gertrud von le Fort, Die Letzte am Schafott.

Stürzt der Flieger auch nicht ab? Stoßen die Züge auch nicht zusammen? Breitet sich die Krankheit auch nicht aus?

Heutiges Lebensgefühl….

Freitag, 16. August 2013

Renate Krüger: Des Königs Muskant. Erzählung um Carl Philipp Emanuel Bach

Das Buch wurde Anfang der 80er Jahre im damaligen Berliner Kinderbuchverlag entwickelt, um jüngere Leser mit den Werken von Kunst und Kultur vertraut zu machen. Wenn der Name Bach genannt wird, denkt man vor allem an den großen Johann Sebastian und nicht an seinen wohl berühmtesten Sohn Carl Philipp Emanuel, den Kapellbedienten des preußischen Königs Friedrichs II., um den die Erzählungen dieses Buches kreisen. Er ist einer der Vertreter des sogenannten Zeitalters der Empfindsamkeit, der neuen bürgerlichen Gefühlsbetontheit. Sein Abschied vom höfischen Berlin und sein Neubeginn im bürgerlichen Hamburg dürfte von den Lesern in der DDR mit besonderer Aufmerksamkeit wahrgenommen worden sein…
Es geht um Glanz und Glamour, um Intrigen und Spionage, wobei auch fiktive Elemente eine Rolle spielen. Bekannte Persönlichkeiten treten auf: der Preußenkönig und sein Bruder Heinrich, Voltaire und Lessing, und all das fließt aus der Feder des fiktiven Erzählers und Archivars François de La Chevallerie.

Das Buch ist im Verlag EDITION digital erschienen und über die einschlägigen
Ebook Shops zu beziehen.

Montag, 12. August 2013

Adolph Menzel - Flötenkonzert König Friedrichs II.


Die Darstellung eines Flötenkonzertes, mit dem der preußische König Friedrich II. sich vor seiner engsten Umgebung präsentiert, zählt zu den schönsten und bekanntesten Gemälden des Malers Adolph Menzel (1815-1905). Ort der Handlung ist ein Salon des Schlosses Sanssouci in Potsdam. Im Mittelpunkt steht der König und lässt sein Solo au der Querflöte hören. Er wird von einem kleinen Kammerorchester begleitet: vier Streichinstrumente und Cembalo, an dem kein Geringerer als Carl Philipp Emanuel Bach sitzt, der Sohn des großen Johann Sebastian. Es ist zu vermuten, dass er die Musik komponiert hat, die da erklingt und auch im Bilde hörbar wird. Meisterhaft ist die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts wiedergegeben: Lichteffekte, Spitzen und Rüschen, die wie aus Schaum gemalt wirken, eine nur spärlich angedeutete, aber reiche Raumausstattung.
Menzel malte das Bild in den Jahren von 1850 bis 1852, also etwa 100 Jahre nach der Zeit, in der dieses Ereignis stattgefunden haben könnte. Es handelt sich nicht um eine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern um ihre lebendige Vergegenwärtigung, einfühlsam, aber nicht verklärend.
Das Bild steht – literarisch verfremdet – im Mittelpunkt meiner Menzel-Erzählung „Geisterstunde in Sanssouci“, die  als Ebook im Verlag EDITION-digital veröffentlicht worden ist.
Renate Krüger

Donnerstag, 8. August 2013

Geduld - stärkste Waffe des Menschen


Geduld ist eine Form von Tapferkeit, ihre stille passive Seite. Geduld ist die stärkste Waffe des Menschen. Geduld glaubt an den Sinn, auch wenn der Erfolg ausbleibt. Geduld macht das Leben schön, weil sie den Menschen davor bewahrt, in den Augenblickseindrücken unterzugehen. Ein geduldiger Mensch ist wendig und stetig zugleich. Er lässt sich von seinen Stimmungen nicht täuschen, weder von den euphorischen, noch von den melancholischen. Geduld erfordert mehr Aktivität als zorniges Dreinschlagen. Geduld ist ein Mutterboden, auf dem alles organisch wachsen kann, alles zu seiner Zeit.
Renate Krüger