Montag, 28. Januar 2013

Die Torwache


 
Zu den bekanntesten und tiefgründigsten Bildern der Schweriner Gemäldegalerie gehört „Die Torwache“ von Carel Fabritius. Die zeitgenössischen holländischen Bildbetrachter mögen erstaunt bis verärgert auf diese Darstellung geblickt haben. Das soll ein Torwächter sein, ein Soldat, ein Garant von Ordnung und Sicherheit? Eher ein Verhaltensmuster für Penner und Gammler... Hält dieser Soldat wirklich Wache am Tor? Keineswegs. Er hockt auf einer niedrigen Bank und scheint zu schlafen. Doch bei genauem Hinsehen merkt man, dass er eben nicht schläft. Er hantiert am Schloss seines Gewehres, einer Flinte, die man wohl hundert Jahre vor dieser Zeit gebraucht haben mochte. Eine Waffe aus dem Krieg gegen die Spanier, aus jener heroischen Zeit Hollands. Dieser Soldat aber ist nicht mehr heroisch. Er träumt in der heißen Mittagssonne vor sich hin und denkt an keinen Feind. Wer soll hier schon vorbeikommen? Der Soldat ist eigentlich überflüssig.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Frühlingssehnsucht


                                                                                 
Schneeglöckchen
Ein schwerer Schnee
auf frühen Blüten
die schon begannen
zu sein und zu klingen

Noch nicht
zu früh
noch einmal warten
wie lange

 Zentnerlast
 auf zarten Spitzen
 können sie’s tragen?
    
Sie haben in die Last
eine Höhle gebaut
und wärmen sich
an eigener Hoffnung
und schmelzen den Schnee

Renate Krüger

Dienstag, 22. Januar 2013


In einem alten Buche fand ich Testamente
Gestalt, als Pflanze noch erkenntlich
dem Buche anvertraut in fernen Zeiten
als Kaiser straff noch die Geschicke lenkten
als Segel Wind zu neuen Küsten fingen
als Mozarts Sonnenorgel Horizonte färbte.
Herausgerissen aus dem Kreislauf grünen Lebens
verwandelten die Pflanzen Frucht und Samen
in Auftrag, Botschaft, Lese-Zeichen.
Ich lese Worte, die nicht gleiten wollen
in Bildschirmzeile, Nutzanweisung.
Sanft streicht die Hand die Pflanzenbriefe
winkt dankend dem, der sie einst schrieb.
Renate Krüger

Mittwoch, 2. Januar 2013

Gestickte Weihnachtsbilder aus Peru

Die christliche Volkskunst in Lateinamerika ist voller Phantasie und Farbenfreude. Es ist anrührend, wie die Motive und Situationen der Weihnachtsgeschichte in die regionale Vorstellungswelt übersetzt werden. Die Exponate stammen aus der Sammlung Anne Mohr in Oberhausen.