Fronleichnamsprozession im Jahre 1890 im salzburgischen Hofgastein, gemalt von Adolph Menzel (815-1905). Alles ist in Bewegung, die durch Vertikale – Baldachinstangen, Fahnen, Prozessionslaternen – noch besonders betont wird. Niemand schaut aus den Fenstern, alle sind dabei, beteiligt. Hier zeigt sich die geschlossene Welt einer weitgehend homogenen Gesellschaft, die ihre eigene Ordnung kennt und akzeptiert. Fronleichnam ist in der katholischen Kirche ein Hochfest, an dem man die leibliche Anwesenheit Christi in der eucharistischen Gestalt des Brotes feiert, das in einer Prozession durch die Öffentlichkeit von Dörfern und Städten getragen wird.
Diese Fronleichnamsprozession ist auch eine gesellschaftliche Selbstdarstellung. Voran die Fahnen der Bruderschaften , Kongregationen und anderen kirchlichen Vereinigungen, dann die Monstranz mit dem eucharistischen Bot unter dem Baldachin, dann die Honorationen – natürlich nur Männer -, dann das „Volk“, aufgeteilt in ständische Gruppen. Die Frauen sind ganz hinten, man sieht sie nicht.
Wer steht am Wege und ist in die Bewegung nicht einbezogen? Solche, die nicht knien können und solche, die nicht knien wollen. Auffällig und besonders hervorgehoben die Gestalten der rechten vorderen Bildhälfte, vermutlich Sommergäste, die ihren Spazierweg versperrt sehen und nicht weiter kommen. Der eine sieht den im Hintergrund denkbaren Maler fast vorwurfsvoll und herausfordernd an und demonstriert auch so sein Desinteresse an dieser hinterwäldlerischen Abgeschmacktheit. Mit dem rechten Bein tritt er auf ein Bruchstück einer plastischen Architekturdekoration, von der noch ein Putto erkennbar ist. Die elegante Dame neben ihm gibt sich ihrem small talk mit einem Partner jenseits des Bildrandes hin, unbekümmert um die in Andacht und Anbetung versunkenen Nachbarn. Sie ist aus einer anderen Welt und kann mit diesem Ereignis nichts anfangen.
Noch ist solche Prozession keine Touristenattraktion, aber Menzel nimmt schon einen Beobachterstatus ein, der auf spätere Fernsehgewohnheiten hinweist. Das Bild ist gekennzeichnet durch einen flotten Pinselstrich mit viel Freude am Detail. Menzel hatte eine besondere Vorliebe für die farbigen und bewegten Erscheinungsformen des Katholizismus in Süddeutschland und Österreich.
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